Einst als höchster Gipfel Tirols bezeichnet, ist der Ortler (3.905 m) bis heute der höchste Berg Südtirols. Ihn zu besteigen macht mir immer wieder Freude – auch weil sich der Normalweg durch den Rückzug des Gletschers jedes Jahr ein wenig verändert.
Der Normalweg
Der klassische Anstieg beginnt in Sulden. Am ersten Tag steigen wir über die Tabarettahütte (2.556 m) zur Payerhütte (3.029 m) auf, die spektakulär auf einem Grat thront. Am zweiten Tag geht es früh am Morgen zum Gipfel und anschließend zurück ins Tal.
Der Weg ist sehr abwechslungsreich: Klettern am Fels und Gehen mit Steigeisen am Gletscher wechseln sich ab. Die Felsstellen erreichen den III. Grad, die schwierigsten Passagen sind mit Ketten entschärft. Im Gletscherbereich gibt es Abschnitte mit bis zu 40° Neigung.
Der Hintergrat
Besonders schön – und deutlich anspruchsvoller – ist der Hintergrat. Ausgangspunkt ist die Hintergrathütte (2.661 m). Der lange, ausgesetzte Grat verlangt Klettererfahrung und eine sehr gute Kondition; mit dem Abstieg über den Normalweg ist es ein langer Tag von 10 bis 14 Stunden. Wer sich am Fels sicher fühlt, erlebt hier eine der großen Gratklettereien der Ostalpen.
Der Meraner Weg
Der längste Anstieg führt von der Berglhütte über den Meraner Weg. Hier ist man meist allein unterwegs – ideal für alle, die den Trubel meiden und eine einsame, ursprüngliche Hochtour suchen.
Voraussetzungen
- Kondition für zwei lange Tage mit großen Höhenunterschieden
- Trittsicherheit im Fels und Erfahrung mit Steigeisen
- Für den Hintergrat: sicheres Klettern im III. Grad, auch im Abstieg
- Eine gewisse Höhenanpassung – ein Tag auf über 3.000 m vorher hilft spürbar
Ich gehe am Ortler mit bis zu drei Personen. Die beste Zeit ist der Hochsommer bis in den frühen Herbst; die Verhältnisse am Gletscher prüfe ich vor jeder Tour genau.
Gute Vorbereitung – und der Blick nach vorn
Wer den Ortler geschafft hat, hat eine wichtige Etappe auf dem Weg zu den großen Viertausendern hinter sich. Wie es danach weitergehen kann, lesen Sie in meinem Beitrag Wie fit muss ich fürs Matterhorn sein?.






